Fachartikel

«Der Softwareroboter übernimmt wiederkehrende Routineaufgaben»

Steigende Patientenzahlen, zunehmend komplexere Fälle, Mangel an Fachpersonal und hoher Kostendruck sind nur einige der Herausforderungen für Spitäler.
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Bernd Classen, Facharzt für Anästhesiologie und langjähriger IT-Experte, zeigt auf, wo ein Softwareroboter unterstützen kann.

Nimmt der Softwareroboter Ihren Kollegen die Arbeit weg?

‍Ja, aber nur Arbeit, die Ärzte sowieso nicht gerne machen, insbesondere die bürokratischen Aufgaben. Der Anteil an patientenfernen Tätigkeiten steigt seit Jahren. Und dies betrifft alle klinischen Berufsgruppen, nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern auch Pflegekräfte oder Therapeuten. Spitäler sollten ihre teuren Fachkräfte nicht mit simplen Routineaufgaben auslasten. Dafür gibt es bessere Lösungen.””

‍Was wären solche Lösungen?

‍Eine einfache Lösung könnte es etwa für die automatische Verarbeitung von Einverständniserklärungen geben. Bei der Aufnahme ins Spital müssen Patientinnen und Patienten auf vorgedruckten Formularen angeben, ob sie künftig eine SMS zur Erinnerung an Untersuchungs- oder Behandlungstermine wünschen oder nicht. Ein Mitarbeitender scannt das Formular anschliessend für die digitale Ablage ein und erfasst den Vermerk zur Terminerinnerung im KIS. Kein schwieriger Prozess, aber ein zeitintensiver. Pro Tag werden in jedem Spital Dutzende solcher Fälle erfasst, jede Erfassung dauert ungefähr 10 Minuten – das summiert sich. Ein weiteres Beispiel ist das Erstellen von Berichten wie Austrittsberichte: Ärzte, Pflege und andere Berufsgruppen müssen hierfür oft Dokumente aus verschiedenen Systemen zusammensuchen. Das ist zeitaufwändige Fleissarbeit. Ein Roboter kann die in unterschiedlichen Systemen abgelegten Patientendokumente für den betroffenen Mitarbeiter vorauswählen und zusammenstellen und diese – nach Freigabe – datenschutzkonform mit anderen Spitälern, Arztpraxen oder der Spitex austauschen. Das Potenzial für Softwareroboter in Spitälern ist gross: Es gibt viele Routineaufgaben, insbesondere in der Verwaltung und im Backoffice, die sie übernehmen könnten.

‍Sprechen die Patienten schon bald mit einem Softwareroboter anstatt mit einem Arzt?

‍Nein, ein Softwareroboter kann keinen Arzt und kein Pflegepersonal ersetzen. Er kann keine Pflege und Therapie verordnen und keine menschliche Nähe zeigen. Er übernimmt lediglich stets wiederkehrende Routineaufgaben, damit sich die Fachkräfte wieder auf die Patienten und deren Angehörige konzentrieren können. In Zeiten von Fachkräftemangel auch ein wichtiger Faktor für die Bindung und die Gewinnung von Mitarbeitenden.””

‍Wo liegt die Herausforderung bei der Einführung eines Softwareroboters im Spital?

‍Um erste Schritte in der Welt der Robotik zu machen, braucht es kein zeitintensives und kostspieliges Grossprojekt. Wichtig ist, dass man einen kompetenten Partner wählt, der die klinischen Prozesse und Systeme kennt. Entscheidend sind auch die Experten aus den klinischen und administrativen Fachabteilungen: sie müssen das Thema unterstützen und gemeinsam mit dem Partner die Prozesse identifizieren, die sich für einen «Proof of Concept» eignen. Die beste Gelegenheit auch, umständliche Prozesse zu verbessern. Nach Probeläufen wird der Roboter produktiv gesetzt und läuft noch einige Zeit unter Aufsicht. Ich empfehle zudem den Aufbau eines Kompetenzzentrums, das den Betrieb der Roboter weiterführt, weitere Prozesskandidaten identifiziert und entsprechende Roboter entwickelt.

Bernd Classen ist Consultant für Health Services bei Avectris. Er arbeitete langjährig als Facharzt für Anästhesiologie und Spital-IT-Leiter.

IT for Health (Netzwoche), Mai 2021

Fakten

  • Softwareroboter übernehmen Routineaufgaben
  • Grosse Herausforderungen für Spitäler
  • Die Lösung heisst Automation
  • Roboter ersetzen kein Fachpersonal

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Bernd Classen

Consultant und Facharzt für Anästhesiologie

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