Nichtfinanzielle Berichterstattung: Zwängerei oder Chance?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Sie Ihr Unternehmen zukunftsorientiert positionieren? Wie integrieren Sie neben finanziellen Zielen auch soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit in Ihre Unternehmensstrategie? Zudem erwarten Schweizer Unternehmen mit der Berichterstattungspflicht über nichtfinanzielle Belange neue regulatorische Anforderungen im Bereich des Nachhaltigkeits-Reportings.
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Mit Annahme des Gegenvorschlags der Konzernverantwortungsinitiative müssen Schweizer Unternehmen ab 2024 erstmals nichtfinanzielle Berichte gemäss dem revidierten schweizerischen Obligationenrecht (OR 964 ff) veröffentlichen. Diese beinhalten die Risiken der Unternehmenstätigkeiten in Bezug auf Umwelt, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte und Bekämpfung der Korruption sowie über die dagegen ergriffenen Massnahmen. Zwar gilt die Berichtserstattungspflicht vorerst nur für grössere Unternehmen, sie wirkt sich jedoch indirekt auch auf kleinere Zulieferer aus, da die Sorgfaltspflicht auch für die Lieferkette gilt. Dies erhöht den Druck im gesamten Markt. Bis Ende 2023 müssen Daten gesammelt, bewertet und konsolidiert sowie Korrekturmassnahmen für bedeutende Risiken ergriffen werden. Ab 2024 folgen zusätzliche Pflichten. Bei Verletzungen der Berichterstattungs- sowie Aufbewahrungspflichten können Verwaltungsratsmitglieder sanktioniert werden (revStGB 325). Vorsätzliche Verletzungen dieser Pflichten können mit Busse bis zu 100’000 Schweizer Franken, fahrlässige Verletzungen bis zu 50’000 Schweizer Franken, bestraft werden.

Zwängerei mit hohem Aufwand?

Für viele Unternehmen stellt die verlässliche und dokumentierte Identifizierung, Analyse und Bewertung von nichtfinanziellen Auswirkungen und wesentlichen Risiken eine grosse Herausforderung dar. Sie verfügen möglicherweise noch nicht über die erforderlichen Managementsysteme und es fehlen die Daten als Grundlage für eine wirksame Sorgfaltsprüfung, Leistungsmessung und Risikobewältigungsstrategien. Auch die Einführung eines Managementsystems für den Handel mit Konfliktmineralien oder Kinderarbeit ist für viele Unternehmen neu. Die Strafvorschrift übt zusätzlichen Druck auf die Unternehmen und ihre oberste Führungsebene aus, verlässliche, vollständige und genaue sowie von unabhängiger Seite geprüfte oder auditierte Berichte zu veröffentlichen.

Insgesamt ist zu erwarten, dass die Anforderungen in der nichtfinanziellen Berichterstattung künftig zunehmen. Dies umso mehr als die EU im Januar 2023 die «Corporate Sustainability Reporting Directive» (CSRD) verbindlich einführte, die Schweizer Unternehmen mit Tochtergesellschaften im EU-Raum miteinschliesst. Die Schweiz wird früher oder später in diesem Bereich nachziehen (müssen).

Chance durch Transparenz und einheitliche Standards?

Unternehmen wollen vermehrt nicht nur finanzielle Erträge anstreben, sondern auch positive, soziale und ökologische Veränderungen bewirken. Mit «ESG» (Environmental, Social, Governance) liegt ein Rahmenkonzept zur Bewertung der Nachhaltigkeit und ethischen Auswirkungen der Geschäftstätigkeiten eines Unternehmens vor. Es berücksichtigt die Leistung eines Unternehmens in Schlüsselbereichen, die einen breiten Einfluss auf die Gesellschaft und die Umwelt haben. Die ESG-Kriterien gewinnen im Kontext der Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung, da sie Investoren und Interessengruppen dabei helfen, die langfristige Lebensfähigkeit und ethische Praktiken von Unternehmen zu bewerten. ESG ist nicht nur eine Reihe von Kennzahlen; es steht für eine grundlegende Verschiebung hin zu verantwortungsvollen und bewussten Geschäftspraktiken. Also genau das, was sowohl die Konzernverantwortungsinitiative als auch der Gegenvorschlag erreichen wollten.

Schweizer KMU stehen vor einzigartigen Chancen und Herausforderungen im Bereich ESG. Durch die Integration von Nachhaltigkeit und Umweltschutz in ihr Unternehmen können sie nicht nur Kosten senken und Effizienz steigern, sondern auch das Engagement ihrer (künftigen) Mitarbeiter*innen erhöhen und neue Geschäftsmöglichkeiten erschliessen:

  • Sozioökonomische Vorteile: Mit nachhaltigen Praktiken übernehmen Unternehmen die Verantwortung für ihr Engagement in sozialen und Umweltthemen. Dies verbessert das Image, zieht ethisch bewusste Investoren und Aktionäre an und stärkt die Beziehungen zu Kunden, was wiederum zu gesteigerter Markenloyalität und potenziellem Umsatzwachstum führt.
  • Innovation und Wettbewerbsvorteil: Unternehmen, die Nachhaltigkeit in ihre Kernstrategien integrieren, passen sich schneller an veränderte Marktdynamiken an. Dies führt zu Innovationen in der Produktgestaltung, Prozessoptimierung und Ressourcenmanagement, was langfristig in Kosteneinsparungen und Wettbewerbsvorteilen resultiert.
  • Risikominderung: Die Auseinandersetzung mit ESG-Bedenken hilft Unternehmen dabei, potenzielle Risiken zu identifizieren und zu mildern, wie beispielsweise Lieferkettenstörungen aufgrund von Ressourcenknappheit, regulatorische Strafen für Umweltverstösse oder Rufschäden durch soziale Kontroversen.

Demgegenüber stehen auch die Bedenken:

  • Finanzielle Belastungen: Kritiker argumentieren, dass Nachhaltigkeitsinitiativen den Unternehmen anfänglich Kosten auferlegen können, darunter Investitionen in saubere Technologien, Schulungen von Mitarbeitern und die Einhaltung strenger Vorschriften. Dies belaste die Rentabilität von kleineren Unternehmen.
  • Regulatorische Komplexität: Einige Unternehmen betrachten Nachhaltigkeit als Belastung aufgrund des sich ständig verändernden und komplexen regulatorischen Umfelds. Die Einhaltung mehrerer Umwelt- und Sozialvorschriften lenke Ressourcen und Aufmerksamkeit von den Kerngeschäftsaktivitäten ab.
  • Mögliche Wachstumsbeschränkungen: Es bestehen Bedenken, dass strenge Nachhaltigkeitsziele die Wachstumsaussichten eines Unternehmens einschränken, insbesondere wenn die Erreichung hoher ESG-Standards erhebliche Änderungen an etablierten Geschäftsmodellen oder Märkten erfordert.

Fazit

Für Unternehmen führt die Übernahme eines ESG-Nachhaltigkeitstandards zu einer verbesserten Widerstandsfähigkeit, Reputation und Wettbewerbsfähigkeit. Verbraucher profitieren von verbesserter Produktqualität und ethischen Auswahlmöglichkeiten. Allerdings müssen Nachhaltigkeitsbemühungen ausgewogen sein, um sicherzustellen, dass sie benachteiligte Gemeinschaften nicht übermässig belasten oder die wirtschaftliche Entwicklung behindern.

Die Debatte über Nachhaltigkeit als Chance oder Zwang spiegelt die Komplexität der Balance zwischen ethischen, sozialen und wirtschaftlichen Überlegungen wider. Während es zutrifft, dass Nachhaltigkeit Herausforderungen mit sich bringen kann, erkennen zukunftsorientierte Unternehmen das Potenzial von Vorteilen wie verbessertem Image, Innovation und langfristiger Widerstandsfähigkeit.

Praxis: Unsere Tipps

Die Management-Literatur für Unternehmensentwicklung beginnt mit der Nachhaltigkeitsstrategie. Bei Aveniq sehen wir das ein bisschen anders: Dieser Ansatz wird einerseits nicht der pragmatischen Herangehensweise Schweizer KMU gerecht und andererseits besteht ein zeitlicher Handlungsdruck durch die Reporting-Pflichten gem. OR964. Wir empfehlen daher folgende Vorgehensweise:

  1. OR964: Beginnen Sie mit der nichtfinanziellen Berichterstattung (ESG-Reporting) unter Beizug unseres «Swiss Finish» zur Erhebung der notwendigen Kenngrössen. Mit unserem Template müssen Sie sich nicht durch verschiedene Frameworks und Standards kämpfen, sondern es erlaubt Ihnen eine leicht zu handhabende Umsetzung.
  2. Publikation: Publizieren Sie mit den Bordmitteln der Microsoft Office-Palette den Nachhaltigkeitsbericht als Beilage zum Geschäftsbericht und stellen Sie die Daten den Anspruchsgruppen zur Verfügung.
  3. Strategie: Erarbeiten Sie die Nachhaltigkeitsstrategie und verankern Sie die nichtfinanzielle Berichterstattung mit entsprechenden Massnahmen im Unternehmen.
  4. Langsam beginnen: Starten Sie mit kleinen Schritten und erweitern Sie Nachhaltigkeitsinitiativen allmählich, wenn Ihr Unternehmen Erfahrung und Verständnis gewinnt.
  5. ESG-Kennzahlen integrieren: Beziehen Sie ESG-Kriterien in Entscheidungsprozesse ein, indem Sie Unternehmensziele mit Nachhaltigkeitszielen abstimmen.
  6. Kooperationen und Partnerschaften: Engagieren Sie sich mit Interessengruppen, Kunden und Lieferanten, um gemeinsame Anstrengungen für die Nachhaltigkeit zu fördern.
  7. Fortlaufendes Lernen: Informieren Sie sich über sich bewährte Praktiken, technologische Fortschritte und regulatorische Updates, um anpassungsfähig zu bleiben.

Als erfahrene Partnerin für Business Consulting steht Ihnen Aveniq zur Seite, um Ihre nachhaltige Unternehmensentwicklung zu begleiten. Vom ESG-Reporting, über die Entwicklung einer massgeschneiderten Nachhaltigkeitsstrategie bis zur Integration von ESG in Ihre Unternehmensführung und Lieferkette bieten wir KMU-gerechte strategische Unterstützung, um sicherzustellen, dass Sie den maximalen Nutzen bei gleichzeitig reduziertem Risiko aus Ihren Nachhaltigkeits-Investitionen ziehen.

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Die erfahrenen Expert*innen von Aveniq beraten Sie gerne bei der Identifikation geeigneter Prozesse und der Realisierung von Digitalisierungs- und Automatisierungsvorhaben.

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Benno Leuenberger

Head of Business Consulting

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