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Aveniq AG05. Oktober 20268 min Lesezeit

WLAN richtig modernisieren

WLAN richtig modernisieren
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Wenn Unternehmen ihre WLAN-Infrastruktur modernisieren, stellen sie oft die falschen Fragen und übersehen wichtige Aspekte. Das kann nach einer Lifecycle-Erneuerung oder Modernisierung frustrierend sein: Selbst wenn die neusten Wi-Fi 7 Access Points installiert sind, gehören stockende Videocalls, langsame Datenraten im Büro oder Verbindungsunterbrüche von Handscannern in grossen Hochregallagern weiterhin zum Alltag. Wir zeigen, welche Rolle Funkplanung, Roaming und die Anforderungen moderner WLAN-Standards dabei spielen.

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Bevor über Wi-Fi 6E oder Wi-Fi 7 gesprochen wird, lohnt sich der Blick auf die Grundlagen eines leistungsfähigen WLANs: eine durchdachte Funkplanung, die richtige Platzierung der Access Points und ein zuverlässiges Roaming.

Wie RF-Design, Roaming und die Platzierung von Access Points zusammenhängen

Die Basis jeder leistungsfähigen WLAN-Umgebung ist das RF-Design, beziehungsweise die Funkplanung. Dennoch wird diesem Aspekt häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Passt das Design nicht zur Zielumgebung, können selbst die neusten Technologien ihre Stärken nicht ausspielen. Funktionen wie Multi-Link Operation (MLO), 4096-QAM (Wi-Fi 7) oder etablierte Protokolle wie 802.11k, 802.11v und 802.11r entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn die physikalischen Grundlagen stimmen.

Ein erfolgreiches WLAN-Design berücksichtigt verschiedene Faktoren und Anforderungen:

  • Abdeckungsradius: Gesamtfläche, Roaming-Bereiche und sekundäre Bereiche

  • Umgebung: Wanddämpfung, Hindernisse, dynamische Bereiche und Deckenhöhen

  • Endgeräte: Gerätetypen, Anzahl, Dichte und technische Fähigkeiten

  • Netzwerkinfrastruktur: UKV, Switch-Kapazitäten, PoE-Budgets

  • Anforderungen: RSSI, Sekundäre Abdeckung (Redundanz), Roaming, Bandbreite und Störsignale (Noise)

Wie dieses Design ausgestaltet wird, hängt stark von der jeweiligen Umgebung ab. Ein Standort mit offenen Büroflächen, modernen Notebooks, mobilen Endgeräten und einigen Gastgeräten stellt andere Anforderungen als beispielsweise ein Spital mit abgeschirmten Räumen, WLAN-Telefonen (VOIP) und unterschiedlichsten Medizintechnik-Geräten oder ein Lagerhaus mit teilweise älteren Scannern, hohen Decken und fahrenden Objekten. Eine professionelle Planung umfasst in der Regel eine Begehung vor Ort mit Messungen (AP-on-a-Stick), eine WLAN-Simulation sowie die Aufnahme der spezifischen Anforderungen und eine Analyse der eingesetzten Endgeräte im WLAN-Netz. Ebenso entscheidend sind die Erfahrung des Engineers sowie die Wahl der geeigneten Access Points und Antennentypen. Hohe Decken mit Montagehöhen der Access Points von über sieben Metern oder lange Gänge mit grossen Metallflächen stellen besondere Herausforderungen dar. In solchen Umgebungen sind externe Patch-Antennen oft unverzichtbar, um das WLAN-Signal gezielt auf die Lagerflächen auszurichten. Standardmässige omnidirektionale Antennen können hier zu unzureichenden Signalstärken am Boden, Roaming-Problemen oder Co-Channel-Interferenzen führen.

In jedem Fall sollte sich das WLAN-Design am «Least Capable, Most Important Device» orientieren. Die Antennenleistung und die Standards der Endgeräte können sich stark unterscheiden. Dadurch können das effektiv empfangene Signal (RSSI) und die verfügbare Sendeleistung eines älteren Handscanners deutlich von denen eines neuen Notebooks abweichen.

 

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Gut zu wissen:
Regulatorien in der Schweiz

Wi-Fi 7 unterstützt Kanalbreiten von bis zu 320 MHz. In der Schweiz hat das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) bisher einen 480-MHz-Block im 6-GHz-Band (5.945 - 6.425 GHz) freigegeben. Dadurch kann derzeit entweder ein 320-MHz-Kanal oder beispielsweise drei 160-MHz-Kanäle genutzt werden.

Beim Einsatz externer Antennen (z.B. Richtantennen), muss deren Antennengewinn (Antenna Gain) in die Leistungsberechnung einbezogen werden, damit die zulässige abgestrahlte Gesamtleistung (EIRP) nicht überschritten wird.

Das 6-GHz-Band ist für WLAN als «Low Power Indoor (LPI) WAS/RLAN» mit maximal 200 mW EIRP (23 dBm) ausschliesslich innerhalb von Gebäuden freigegeben. Im Aussenbereich sind lediglich «Very Low Power (VLP) WAS/RLAN»-Installationen mit maximal 25 mW EIRP zulässig.

Quelle: https://www.bakom.admin.ch/de/wlan-rlan 

 

Für die Planung der Frequenzbänder hat sich vereinfacht folgende Strategie bewährt:

  • 2.4 GHz: Legacy-Geräte und IoT

  • 5 GHz: Standard-Frequenzbereich für die meisten Clients

  • 6 GHz: Moderne Endgeräte und Bereiche mit hoher Client-Dichte

In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich, die entsprechenden Endgerätegruppen auf dedizierte SSIDs aufzuteilen. Gleichzeitig sollten die ungenutzten Frequenzbänder konsequent deaktiviert werden. Dadurch lassen sich unnötiger Noise und Management-Traffic reduzieren, was die verfügbare Airtime verbessert. Eine bewährte Best Practice besteht darin, die Anzahl der SSIDs auf maximal drei zu beschränken. Die Zuordnung der Endgerätegruppen erfolgt dabei anhand ihrer Authentisierungsfähigkeiten wie 802.1x, Identity PSK (iPSK) oder Open/OWE: 

 

SSID Authentifizierung Endgeräte
Corporate SSID 802.1x Corporate Notebooks, Printers, Corporate Mobiles / Tablets

Operational Device SSID Identity PSK (iPSK Sensoren, Gebäudeleitsysteme, Medizintech- und weitere Spezialgeräte

Guest SSID Open / OWE (WPA3) Gastgeräte

 

Jede zusätzliche SSID erhöht zudem den Management- und Broadcast Traffic (Beacon Frames, Probe Responses, Multicast/Broadcast Frames) in der Luft auf dem Shared Medium. Dies erhöht den Protokoll-Overhead und reduziert die verfügbare Airtime für Nutzdaten. Insbesondere in dichten WLAN-Umgebungen kann dies zu geringerer Kapazität, höherer Latenz und potenziell schlechterer Client-Performance führen.

Nach der Inbetriebnahme der WLAN-Umgebung empfiehlt es sich, eine Post Site Survey, eine WLAN-Messung der Flächen im produktiven Betrieb, durchzuführen und die gemessenen Werte auf den Endgeräten und den Designvorgaben zu vergleichen. Grobe Abweichungen können so noch angepasst werden.

 

Wann lohnen sich Wi-Fi 6E oder Wi-Fi 7?

Mit Wi‑Fi 6E wurde das WLAN um das 6-GHz-Band erweitert. Dadurch steht deutlich mehr nutzbares Spektrum zur Verfügung, was insbesondere in Umgebungen mit hoher Gerätedichte ein grosser Vorteil ist. Bürogebäude, Schulen, Spitäler oder Hotels profitieren von zusätzlichen Kanälen, einer geringeren Kanalwiederverwendung und weniger Störungen durch benachbarte Funkzellen. Wi‑Fi 6E war damit der erste bedeutende Schritt, um die Kapazitätsprobleme vieler überlasteter 5-GHz-Umgebungen nachhaltig zu entschärfen.

 

Wi-Fi 7 Spezifikationen

Wi-Fi 7 baut auf den Erweiterungen von Wi-Fi 6E auf und bringt zusätzliche Funktionen mit:

  • Multi-Link Operation (MLO)

  • 4096-QAM

  • Preamble Puncturing

  • Bessere Nutzung des 6-GHz-Spektrums

  • Unterstützung breiterer Kanäle (bis 320 MHz) 

 

 

Zu berücksichtigen ist jedoch, dass der Nutzen von Wi-Fi 6E und Wi-Fi 7 nicht unmittelbar und flächendeckend eintritt. Die meisten Unternehmen betreiben heute meist eine heterogene Client-Landschaft. Neben aktuellen Notebooks und Smartphones sind häufig auch ältere Wi‑Fi-4 oder Wi-Fi-5-Endgeräte wie Drucker, Handscanner, Medizintechnik-Systeme, Gebäudeleitsysteme oder andere IoT-Komponenten im Einsatz. Diese Endgeräte profitieren nicht automatisch von den neuen Funktionen. Der eigentliche Mehrwert entsteht schrittweise: Je mehr moderne Endgeräte das 6-GHz-Band und die Funktionen von Wi‑Fi 7 Funktionen unterstützen, desto stärker wird das gesamte WLAN entlastet. Zusätzlich wird auf dem 6-Ghz-Frequenzband WPA3 verpflichtend vorausgesetzt. Dadurch profitieren Unternehmen von erweiterten Sicherheitsmechanismen wie SAE (Simultaneous Authentication of Equals), OWE (Opportunistic Wireless Encyption), Forward Secrecy und PMF (Protected Management Frames), die das Sicherheitsniveau gegenüber älteren WLAN-Generationen deutlich erhöhen.

Aus wirtschaftlicher Sicht hat sich die Situation in den letzten Jahren deutlich verändert. Während Wi‑Fi 6E lange Zeit als moderne Zielplattform galt, bieten inzwischen nahezu alle Enterprise-Hersteller Access Points mit Wi-Fi 7 an. Die Preisunterschiede zwischen vergleichbaren Wi‑Fi 6E- und Wi‑Fi-7-Modellen sind oft gering. Deshalb stellt sich heute weniger die Frage, ob Wi‑Fi 7 benötigt wird, sondern vielmehr, ob es Gründe gibt, bei einer Erneuerung der Access Points bewusst auf Wi‑Fi 6E zu setzen. Wi‑Fi 6E bleibt eine sinnvolle Wahl, wenn eine bestehende Umgebung auf einem einheitlichen Hardwarestandard gehalten werden soll oder entsprechende Hardware zu attraktiven Konditionen verfügbar ist. Besteht bereits eine stabile Wi-Fi-6-Infrastruktur (802.11ax) und gibt es keine neuen dringlichen Anforderungen an das 6-GHz-Band, kann die Lösung bis zum regulären Lifecycle weiterbetrieben werden. Bei der nächsten Erneuerung empfiehlt sich dann der direkte Umstieg auf den jeweils aktuellen Wi-Fi-Standard.

Wi‑Fi 7 befindet sich seitens der Endgeräte noch in einer frühen Einführungsphase. Gemäss Daten von Ookla entfielen Anfang 2026 weltweit weniger als 2 Prozent aller gemessenen WLAN-Verbindungen auf Wi‑Fi‑7-Clients. Für Greenfield-Installationen mit einem Betrachtungshorizont von mehreren Jahren, beziehungsweise einem vollständigen Lifecycle, empfiehlt es sich dennoch, direkt auf Wi‑Fi 7 zu setzen. Die Investition schafft zusätzliche Reserven für künftige Endgerätegenerationen. Gleichzeitig sinkt das Risiko, bereits nach wenigen Jahren erneut modernisieren oder vorübergehend eine Mischumgebung aus Wi‑Fi 6E- und Wi‑Fi-7-Access-Points betreiben zu müssen.

Welche Anforderungen werden an die Infrastruktur gestellt?

Eine Modernisierung der WLAN-Umgebung betrifft nicht nur die Access Points selbst. Um das Potenzial der neuen WLAN-Technologien ausschöpfen zu können, müssen auch die zugrunde liegende Infrastruktur betrachtet werden Insbesondere der Zustand der UKV-Verkabelung sowie die Eigenschaften der Switch-Infrastruktur sollten frühzeitig analysiert werden.

Vor einer Modernisierung empfiehlt es sich deshalb, folgende Punkte zu prüfen:

  • Verbaute Kabeltypen (UTP-Kategorien)

  • Verfügbarkeit von Multigigabit-Switchports (2.5 Gbit / 5 Gbit / 10 Gbit)
    > inklusive der Uplink-Kapazitäten innerhalb der gesamten Netzwerkinfrastruktur

  • Unterstützung von PoE++ / 802.3bt Switchports

  • Verfügbare PoE-Budgets auf den Switches

 

Zwar unterstützen viele vorhandene Cat5e- und Cat6-Installationen bereits Multigigabit-Geschwindigkeiten. Entscheidend ist jedoch der aktuelle Zustand der UKV-Infrastruktur. Kabellängen, Patchfelder, Anschlussdosen oder nicht dokumentierte Verkabelungen können die nutzbare Bandbreite sowie die Unterstützung moderner PoE-Standards beeinträchtigen.

Nicht jeder moderne Wi-Fi-6E- oder Wi-Fi-7-Access-Point benötigt automatisch einen Multigigabit-Uplink. In vielen klassischen Umgebungen reicht ein Gigabit-Port auch künftig aus, da die tatsächliche Auslastung stark von der Anzahl der Clients, den eingesetzten Anwendungen und den effektiven Datenraten der Endgeräte abhängt. In Bereichen mit hoher Gerätedichte, etwa in Schulungsräumen, grossen Sitzungszimmern, Hörsälen, Stadien oder öffentlichen Wartezonen, kann dies jedoch anders aussehen. Hier können Multigigabit-Anschlüsse mit 2,5 oder 5 Gbit/s sinnvoll sein, um ausreichend Kapazitätsreserven für aktuelle und zukünftige Anforderungen bereitzustellen.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind die auf den Switches verfügbaren PoE-Standards und PoE-Budgets. Während viele aktuelle Access Points mit PoE+ (30 W) betrieben werden können, benötigen leistungsstärkere Wi‑Fi-7-Modelle teilweise bereits PoE++ (60 W) um ihren vollen Funktionsumfang auszuschöpfen. Fehlen die erforderlichen Leistungsreserven und Kapazitäten auf den Switches, können die Access Points nur mit eingeschränkter Antennenzahl, reduzierter Sendeleistungen, geringen Uplink-Geschwindigkeiten oder deaktivierten Funktionen betrieben werden.

Neue Access Points reichen nicht

Eine erfolgreiche WLAN-Modernisierung ist mit dem reinen Lifecycle der Access Points nicht getan. Entscheidend sind ein durchdachtes WLAN-Design und eine Infrastruktur, die auf die Anforderungen moderner WLAN-Standards abgestimmt ist. Wi‑Fi 6E und Wi‑Fi 7 bieten grosses Potenzial, entfalten ihre Vorteile jedoch erst in einem sauber geplanten Gesamtkonzept. Wer Endgeräte, RF-Design und Netzwerkinfrastruktur ganzheitlich betrachtet, schafft die Grundlage für eine moderne, leistungsfähige, sichere und zukunftsfähige WLAN-Umgebung.

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